Die Gefahr einer Grenzüberschreitung!



Die Situation der sog. Wiederverheirateten Geschiedenen(WvG) zu prüfen, um ihnen gerecht zu werden und in der gegebenen Situation eine Hand für einen Umkehrweg zu reichen, ist ein sehr wesentliches pastorales Anliegen. Der nächste Schritt, der sich darauf zu bewegt das eigene Leben mit den Geboten Gottes und der Kirche in Übereinstimmung zu bringen, kann mühsam sein und braucht oft einen langen Atem des begleitenden Seelsorgers. Besonders soll er auch für die betroffenen Personen beten, damit sie in der Kraft des Heiligen Geistes ihre Situation im Licht des Heiligen Geistes besser verstehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Hat sich die Situation dann geordnet ist der Empfang der Sakramente möglich. Sehen sich die Personen jedoch außerstande die Bedingungen für den Empfang der Sakramente zu erfüllen, ist der Zugang zu den Sakramenten nicht möglich, ihre Lebenssituation steht ihnen im Weg.

So hat es die katholische Kirche bisher immer gelehrt.

Es ist bekannt, daß es leider in manchen Diözesen andere Praktiken gab, die im Widerspruch zu der bisherigen kirchlichen Lehre und Praxis stehen

Jetzt gibt es durch das päpstliche Schreiben AL mit der bekannten Fußnote bei vielen Gläubigen eine Unsicherheit, ob denn der Papst die bisherige kirchliche Praxis verändern möchte und manche Indizien weisen darauf hin (siehe vorausgegangene Artikel auf meiner website).

Ein Vorstoß im Jahre 1994 der oberrheinischen Bischöfe wurde von der Glaubenskongregation zurückgewiesen. Damals wollten drei Bischöfe Wege vorschlagen, wie u. bestimmten Umständen die sog. WvG zur heiligen Kommunion hinzutreten könnten.

Unter Punkt 4 eines Schreibens an die Bischöfe der katholischen Kirche des damaligen Glaubenspräfekten, Kardinal Ratzinger, heißt es:

In Anbetracht der neuen, oben erwähnten pastoralen Vorschläge weiß sich diese Kongregation verpflichtet, die Lehre und Praxis der Kirche erneut in Erinnerung zu rufen. In Treue gegenüber dem Wort Jesu hält die Kirche daran fest, daß sie eine neue Verbindung nicht als gültig anerkennen kann, falls die vorausgegangene Ehe gültig war. Wenn Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen“.

In einem anderen Schreiben macht Kardinal Ratzinger auch klar, warum die Kirche hier nichts ändern kann:

Die Unauflöslichkeit der Ehe ist eine dieser Normen, die auf den Herrn selbst zurückgehen und daher als Normen göttlichen Rechts bezeichnet werden. Die Kirche kann auch nicht pastorale Praktiken – etwa in der Sakramentenpastoral – gutheißen, die dem eindeutigen Gebot des Herrn widersprechen. Mit anderen Worten: Wenn die vorausgehende Ehe von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen gültig war, kann ihre neue Verbindung unter keinen Umständen als rechtmäßig betrachtet werden, daher ist ein Sakramentenempfang aus inneren Gründen nicht möglich. Das Gewissen des einzelnen ist ausnahmslos an diese Norm gebunden.(1)

Wenn die Kirche keine Verfügunggewalt über diese göttliche Norm hat, dann muß sie in all ihren Reflexionen hinter diese Norm zurücktreten und nur solche Lösungen in den angesprochenen Fragen suchen, die nicht in einen Widerspruch geraten! Mehr noch:

Gläubigen, die wie in der Ehe mit einer Person zusammenleben, die nicht ihre rechtmäßige Ehegattin oder ihr rechtmäßiger Ehegatte ist dürfen nicht zur heiligen Kommunion hinzutreten. Im Falle, daß sie dies für möglich hielten, haben die Hirten und Beichtväter wegen der Schwere der Materie und der Forderungen des geistlichen Wohles der betreffenden Personen und des Allgemeinwohls der Kirche die ernste Pflicht sie zu ermahnen, daß ein solches Gewissensurteil in offenem Gegensatz zur Lehre der Kirche steht. Sie müssen diese Lehre zudem allen ihnen anvertrauten Gläubigen in Erinnerung rufen.(2)

Von diesem Hintergrund aus wird es verständlich, daß gegen eine Veränderung der kirchlichen Praxis von vielen Seiten Einspruch erhoben wird und nicht wenige Hirten betonen, daß sich durch AL nichts an der Praxis für den Empfang der Sakramente ändern würde! Auch wird es klar, warum die vier Kardinäle den Papst um Klärung von aus ihrer Sicht strittigen Punkten bitten!

Es besteht akut die Gefahr einer Grenzüberschreitung, was verheerende Folgen nach sich ziehen würde. Umso schlimmer wäre es, wenn diese Grenzüberschreitung von der Kirchenleitung nicht (mehr) erkannt würde und sie die Praxis einer Pastoral unterstützt, welche das Halt der göttlichen Norm nicht mehr für absolut verbindlich ansieht! Diese Norm kann auch nicht im Sinne eines Primats der Barmherzigkeit ausgeblendet werden, ist es doch gerade sie, welche alle menschlichen Bemühungen um Liebe und Verständnis für Menschen in den angesprochenen schwierigen Situation das letzte Licht schenkt. Sie ist es die alles auf Gott hin ordnet und weise beschränkt! Eine derartige Grenzüberschreitung würde dem „Rauch des Satans“ erlauben den Einfluß noch weiter auf die Kirche auszuüben, denn in einer solchen Grenzüberschreitung würde man die eigenen Handlungen selbst zur Norm machen und den Halt verlieren!

Das kann unser liebenswerter Papst nicht wollen, doch scheint er diese Gefahr bisher nicht genügend wahrzunehmen. Vielleicht wäre es klug in dieser gegenwärtigen schwierigen Situation ein Wort seines Vorgängers und jetzigem Papst emeritus tief aufzunehmen, denn darin ist alles gesagt, was zur Klärung der Situation dient:

Was die Position des Lehramtes zur Frage der wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen anbelangt, muß zudem betont werden, daß die neueren Dokumente der Kirche in sehr ausgewogener Weise die Forderungen der Wahrheit mit jenen der Liebe verbinden. Wenn früher bei der Darlegung der Wahrheit vielleicht gelegentlich die Liebe zu wenig aufleuchtete, so ist heute die Gefahr groß, im Namen der Liebe die Wahrheit zu verschweigen oder zu kompromittieren. Sicherlich kann das Wort der Wahrheit weh tun und unbequem sein. Aber es ist der Weg zur Heilung, zum Frieden, zur inneren Freiheit. Eine Pastoral, die den betroffenen Menschen wirklich helfen will, muß immer in der Wahrheit gründen. Nur das Wahre kann letzten Endes auch pastoral sein. „Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32).“  (3)

(1) Zu einigen Einwänden gegen die kirchliche Lehre zum Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen. Punkt 3a

 (2) Punkt 6 des Schreibens an die Bischöfe der katholischen Kirche über den Kommunionempfang von wiederveirateten geschiedenen Gläubigen

(3)  Zu einigen Einwänden gegen die kirchliche Lehre zum Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen. Punkt 5


Elija aus Jerusalem