Wie kann ein Irrtum bis in die Kirchenleitung einziehen? Wird Amoris laetitia zur Gretchenfrage?

Vorbemerkung: Die nachfolgenden Überlegungen setzen die Kenntis des Sachverhaltes voraus. Dieser ist in vorherigen Seiten dieses blogs niedergelegt! Es geht um die derzeitige Situation der Kirche und insbesondere um die Diskussion, die nach dem päpstlichen Schreiben Amoris laetitia, geführt wird. Die personalisierte Form des Irrtums, die ich zu Beginn wähle, soll ein erleichterter Einstieg in das komplexe und schwierige Thema sein!

Die Sicht der gegenwärtigen Lage habe ich durch Gebet, Studium der entsprechenden Texte mit Kommentaren von allen Seiten, einschließlich vieler Leserbriefe in verschiedenen Sprachen gewonnen.

Für diesen Eintrag bin ich allein verantwortlich und repräsentiere damit weder eine Gemeinschaft, noch eine geistliche Bewegung!

Wenn ich nachfolgend von Irrtum spreche, ist dieses Wort nicht etwa mit Häresie gleichzusetzen.



Wie kann ein Irrtum bis in die Kirchenleitung einziehen?

Wie ein Wolf im Schafspelz seine Absichten in einer Verkleidung verbirgt, braucht dies auch der Irrtum! Er hat dafür ein besonders friedliches Gewand und eines der schönsten gewählt! Dieses Gewand ist so schön, daß alle darauf schauen und es in höchstem Maße loben und bewundern. Was könnte auch schöner und anziehender sein, als die göttliche Barmherzigkeit? Wo strahlt die Liebenswürdigkeit und Güte Gottes mehr auf, als in seiner unendlichen Barmherzigkeit?

So hat der Irrtum ein wunderbares Versteck gefunden! Im Glanze des milden barmherzigen Lichtes - hinter einer Tarnkappe verborgen - müßte es ihm doch vielleicht möglich sein, eine Herkulesaufgabe zu schultern! Es gilt weiter in diese römisch-katholische Kirche einzudringen und möglichst bis in die Spitze!

Am besten der Irrtum verbirgt sich nicht nur hinter der Barmherzigkeit, sondern gibt sich selbst als Barmherzigkeit aus, als eine neue besonders erleuchtete Barmherzigkeit, die erst jetzt in diesem Pontifikat ganz zur Wirkung kommen kann! Eine Barmherzigkeit, die größer ist als die frühere! Mit diesem neuen Licht kann man die Unvollkommenheit des Vorherigen erkennen! Das wird überzeugen und auch die Guten erreichen!

Was ist aber mit den Hartgesottenen, mit den unverbesserlich Beharrenden, die einfach nicht für das Neue offen sind und keine Veränderungen wollen? Wie geht man mit ihnen um?

Man macht es am besten so: wenn jemand unerleuchtet auf den bisherigen Regelungen der Kirche besteht, muß man klar machen, daß er das Neue, eben die neue und größere Barmherzigkeit nicht verstanden hat. Es fehlt der richtige Einblick und – das ist besonders wirksam – es ist wichtig zu betonen, daß er den Papst nicht richtig achtet!

Auf jeden Fall, so muß es deutlich werden, handelt ein solcher Kritiker nicht barmherzig, er vertritt überholte Positionen und wirft u.U. gar mit Felsbrocken auf die Sünder! Denn jeder, der AL nur richtig liest, dem müßte ein Licht aufgehen, wenn er nicht verstockten Willens ist! Also ist er selbst schuld, wenn er das neue Licht nicht erkennt!

Das müßte doch reichen, um die Hartgesottenen zurückzuhalten, denn sie sondern sich ab, sie spalten die Kirche, sie sind nicht mehr am Puls der Kirche! Machen wir einfach Amoris Laetitia zur Gretchenfrage!

Fein hingekriegt“, könnte nun der Irrtum für sich sagen, aber ...

Es klappt doch nicht so ganz! Da gibt es einige Unverbesserliche, die nicht loslassen und sich auch nicht abschrecken lassen. Sie stellen unangenehme, sehr unangenehme Fragen, sie erdreisten sich sogar aller Welt zu erzählen, daß sie beim Papst Zweifel angemeldet haben! Das ist wirklich gefährlich, denn sie wollen mir, dem Irrtum, eine Falle stellen!!

Da gibt es doch tatsächlich welche die denken, daß man mit der Barmherzigkeit nicht so weit gehen kann. Sogar unter den Laien! Sie sprechen davon, daß das göttliche Gebot auf diese Weise verletzt wird! Manche sagen sogar, daß man mit menschlicher Barmherzigkeit die göttliche ersetzt und daß Grenzen überschritten wurden!
Diese Blinden und Tauben, sie hören einfach nicht auf die so klugen Begründungen! Sie differenzieren einfach nicht und sehen die Dinge schwarz-weiß!! Aber, es sind ja nur wenige! Das beruhigt! Oder sind es doch mehr?

Trotzdem: diese kleine Türe durch die ich kam, sie war doch eigentlich unsichtbar und unscheinbar verborgen in einem langen Text und jetzt stürzt sich alles darauf und so viele sprechen darüber! Unangenehm! Äußerst unangenehm! Es war doch alles so gut eingefädelt!

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Diese Geschichte könnte fortgesetzt werden. Doch ist sie zu ernst, um in dieser Mitteilungsweise zu bleiben, denn der Irrtum bei solch schwerer Materie (betroffen sind drei Sakramente) ist leider kein harmloser Geselle. Er bedient sich der guten Absicht, um verborgen seine Interessen durchzusetzen. Er mißbraucht die Barmherzigkeit, um eine Grenze zu überschreiten, die durch das Wort des Herrn und die authentische Lehre der Kirche gesetzt ist!

Es ist schon bemerkenswert. Da wird mit Klarheit gesagt, daß über das göttliche Gesetz in Bezug auf die Unauflöslichkeit der Ehe keine Verfügbarkeit besteht und AL eine Weiterführung von Familiaris consortio sei, dann will man aber doch eine Praxis einführen, die dazu Widerspruch steht, eine personalisierte Sicht und Vorgehensweise als Ergänzung! Wie soll das gehen und mit welcher Begründung?

Der Innsbrucker Dogmatiker Willibald Sandler argumentierte, „dieser Schritt von Franziskus“ sei „seinen Vorgängern … bisher nicht möglich“ gewesen, „weil sie die Problematik von wiederverheirateten Geschiedenen allein auf der Ebene einer allgemein geregelten ´Zulassung´, die einen Rechtsanspruch begründet, zu denken versuchten“. „Das Neue“ in AL liege „im Bereich einer … Barmherzigkeit, die keinen Rechtsanspruch auf einen Empfang der Sakramente begründet“. Es gehe eben um eine „Einzelfallgerechtigkeit“.

Wie Prof. Stefan Kampowski (Professor für philosophische Anthropologie am Päpstlichen Institut „Johannes Paul II.“ für Studien über Ehe und Familie, Rom.) jedoch schreibt: ... „geht es nicht um die Frage der persönlichen Schuldhaftigkeit für das Eintreten in eine neue Verbindung, nicht der subjektive Gnadenstand, sondern um die Öffentlichkeit eines Lebensstandes, der in direktem Widerspruch zum Geheimnis der Eucharistie steht. Es ist ja gerade die Öffentlichkeit dieses Lebensstandes, der die Grundlage dafür ist, dass die Betroffenen nicht zur Kommunion zugelassen werden können.“

Daraus geht hervor, daß selbst wenn festgestellt würde, daß keine oder nur sehr geringe Schuld vorliegen würde, der öffentliche Lebensstand dennoch im Widerspruch zum Geheimnis der Eucharistie bleibt.

Auch wenn wir von diesem Punkt absehen würden, wirkt die Begründung für eine Zulassung der betreffenden Personen aus Gründen der Barmherzigkeit keineswegs stichhaltig. Christian Spaemann (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut) erläutert richtig: „Bei Vorliegen einer anhaltend objektiv ungeordneten, dem Gebot widersprechenden Lebenssituation, in der die Betroffenen keinen Ausweg für sich sehen, sich vielleicht auch subjektiv nicht schuldig fühlen und der Seelsorger voller Verständnis ist, kann auf die Barmherzigkeit Gottes gehofft, ja vertraut werden. Das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes bedeutet in solchen Fällen aber gerade nicht, den Zustand, in dem man lebt, selbst zu exkulpieren (entlasten) und, darin verharrend, zur Beichte und Kommunion zu gehen, sondern eine Haltung der Ehrfurcht, aus der heraus man Gottes Urteil nicht vorgreifen will. Man kann Gottes Barmherzigkeit nämlich nicht dekretieren (anordnen), das wäre eine Anmaßung. Im christlichen Verständnis bezieht sich die Barmherzigkeit Gottes darauf, uns immer wieder aufstehen zu lassen, wenn wir fallen.“
So erweist sich eine angestrebte Zulassung von Personen – auch in begrenzten Fällen -, die nicht den kirchlichen Bedingungen zur Zulassung zu den Sakramenten entsprechen, als ein Irrtum. Es soll nun über etwas verfügt werden, was die Kirche bis jetzt immer allein Gott zugestanden hat und dies dann in ihrer Praxis konkretisiert hat.

Hinzu kommt eine menschliche Vorstellung der Anwendung von Barmherzigkeit, wenn man Sakramente als Hilfsmittel spenden will, bevor eine ungeordnete Lebenssituation in die ganze Wahrheit der göttlichen Weisung überführt wurde. Eine solche Barmherzigkeit verkennt, daß zum Heil des Menschen und zur Würde des Sakramentes eine Grenze gesetzt wurde. Gerade diese gesetzte Grenze ist auch ein Akt einer wahren Barmherzigkeit, um den Menschen vor einem Irrtum zu bewahren, wissend um dessen Schwäche sich leicht selbst zu täuschen oder täuschen zu lassen!

Hält man hingegen diese gegebene Grenze ein, werden sich vor ihr erweiterte Wege der Pastoral öffnen können, die sich in Übereinstimmung mit Gott und seiner Kirche befinden und möglicherweise Perspektiven öffnen, die vorher nicht sichtbar waren! Gott wird ein solches Zurücktreten des Einzelnen auf die ihm allein bekannte Weise zu würdigen wissen!

Da Irrtümer in der Regel weitere nach sich ziehen, kann man bereits jetzt erkennen, was durch die Verbreitung dieses Irrtums kommen wird. Wenn nun zugunsten der Einzelfallregelung auf allgemeine kirchliche Vorgaben verzichtet wird und die Verantwortung dafür den Bischöfen oder auch den Priestern übergeben wird, wird es in der Zukunft die unterschiedlichsten Praktiken geben: von Land zu Land, von Diözese zu Diözese und vielleicht sogar von Pfarrei zu Pfarrei. Mit dem Verlassen oder der Relativierung einer normierenden objektiven göttlichen Ordnung, welche von daher die Pastoral bestimmt, sind leider der Willkür, der Täuschung, der Subjektivität, dem irrenden Gewissen die Türen geöffnet. Es geht somit eine Grundorientierung verloren! Die Kirche droht sich selbst zu schwächen und hütet ihre Gläubigen nicht mehr! Ein wichtiger Hirtendienst wird geschmälert oder geht gar verloren! Naiv wäre es wohl auch anzunehmen, daß nicht noch andere ungeordnete Lebensformen anklopfen werden, um Einlaß zu finden. Bei einer inneren Schwächung der Kirche, auch durch falsch angewandte Situationsethik und Gradualitätslehre, wird weitere Verwirrung entstehen. Schon jetzt beruft man sich auf Amoris laetitia, um Praktiken zu rechtfertigen welche der Kirche fremd sind und die bisher keine Korrektur erfahren haben!

Aus meiner Sicht gibt es bei der „neuen Pastoral“ keine neuen und höheren Erkenntnisse. Diese Themen wurden schon von der Glaubenskongregation geprüft und zurückgewiesen.
Leider handelt sich um ein Irrlicht das sich ausbreiten will, eine für die Kirche gefährliche Situation, wenn dieses Irrlicht bis in die Spitze der Kirchenleitung vordringt und nicht zurückgewiesen wird!

Bleibt noch zu betonen, daß es sich hier um Irrtümer handelt, also nicht etwa um böse Absicht, denn ohne Zweifel möchte der Papst mit seinem großen Herzen den Menschen in den schwierigsten Situationen beistehen. Doch leider ist das große und mitleidige Herz nicht ein Garant dafür, den richtigen Weg zu erkennen. Denken wir an den heiligen Petrus, der von Jesus mit deutlichen Worten eine Korrektur erhielt, als er den Herrn abhalten wollte nach Jerusalem zu gehen, weil dort Leiden auf ihn warteten. (vrgl. Matth. 16, 21-23) Auch wurde Petrus von Paulus öffentlich korrigiert (vgl. Gal. 2, 11-20)

Es braucht eine Kurskorrektur des Papstes! Er muß die Türe wieder verschließen durch die sich der Irrtum Eingang verschafft hat und auch die Schlüssel wieder an sich nehmen. Die Dubia der vier Kardinäle sind keine Gegnerschaft zum Papst, sondern der Versuch den Irrtum als solchen zu entlarven. Unser liebenswürdiger Papst muß mit seinem Wunsch der Anwendung der Barmherzigkeit hinter die Lehre und bisherige Praxis zurücktreten, sonst wird die Pastoral an ihrem inneren Widerspruch scheitern und weiter Verwirrung hervorrufen!

Das Wichtige an AL wird erst dann hervortreten, wenn die darin vorfindlichen oder angelegten Irrtümer ausgeräumt sind. Dann kann auch die große Liebe und Sensibilität, die Papst Franzikus in der Begleitung von den kompliziertesten Fällen wünscht, richtig angewandt werden! Das Zurücktreten vor dem was die Kirche dem Wort des Herrn folgend göttliches Recht nennt, wird Segen bringen!
Unser Papst braucht unser Gebet und den Mut für eine solche Kurskorrektur. Möge Maria ,die Knotenlöserin ihm beistehen!

Elija aus Jerusalem