Die Motivation unseres Papstes ist verständlich, aber es gibt aus meiner Sicht vermutlich eine Grenzüberschreitung!

Das Pontifikat von Papst Franziskus steht in besonderer Weise unter dem Leitbild der Barmherzigkeit. Er wendet sich – sicher auch im Gefolge seines gewählten Papstnamens – den Schwachen und Benachteiligten in der Gesellschaft zu. So hat er einen dezidiert pastoralen Blick auf die Menschen und auch auf jene Christen, die in irregulären Lebensverhältnissen leben. Der Moraltheologe Prof. Spindelböck (Diözese St.Pölten, Österreich) spricht von einem Perspektivenwechsel und schreibt:

In den bisherigen Stellungnahmen der Kirche wurde primär der objektive Widerspruch solcher Lebensverhältnisse zu den Geboten Gottes thematisiert und als Begründung für die Unmöglichkeit des Kommunionempfangs angeführt, solange dieser Widerspruch andauert (vgl. Johannes Paul II., Familiaris consortio, Nr. 84; Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1650).
Nunmehr tritt das subjektive Moment stärker hervor: „Amoris laetitia“ stellt in Nr. 302 unter Berufung auf den Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 1735 und 2352) fest, dass objektiv schwere Sünden nicht immer subjektiv schwerwiegend sein müssen, da es Faktoren gibt, welche die Verantwortlichkeit für eine Sünde vermindern können. Dies ist keine neue Lehre; wohl aber dient sie dem Anliegen des Papstes, der die betreffenden Gläubigen verstärkt ins Leben der Kirche integrieren will, auch unter dem Vorzeichen des „Jahres der Barmherzigkeit“.

Der Papst möchte integrieren und anregen, die Lebenssituation solcher Menschen, die mit ihrem Leben im Widerspruch zu Gottes Weisungen stehen, besser zu verstehen und sie in einem Prozess des Begleitens und Unterscheidens stärker in das Leben der Kirche zu integrieren! Für ihn ist das praktizierte Barmherzigkeit und er möchte nicht, daß solche zerbrochenen Lebenssituationen nur legalistisch beurteilt werden. Ein Hinabsteigen in die Not des Anderen, und somit ein besseres Verstehen, eröffnet einen barmherzigeren Blick auf ihn. Der Papst wünscht, die Kirche als gute Mutter zu sehen, die sich um all ihre Kinder kümmert und die rechte Medizin reicht!

Papst Franziskus hat ein weiches Herz und offensichtlich eine Fähigkeit, die Leiden anderer Menschen mitzuempfinden. Das möchte er den Bischöfen, den Priestern und der ganzen Kirche vermitteln. Sie soll von der mütterlichen Sorge um die Menschen erfüllt sein! Deshalb betont der Papst so sehr die Barmherzigkeit und daß wir gerufen sind, die Werke der Barmherzigkeit zu praktizieren.

Diese Anregung unseres Papstes sollten wir aufnehmen und noch mehr in der Liebe zu unseren Nächsten wachsen, seine Not besser verstehen lernen. Das ist eine Botschaft dieses Pontifikates, die gelesen werden sollte und niemand dürfte Papst Franziskus diese Intention absprechen!

Doch leider – und dies ist bei diesem liebenswürdigen Papst besonders schmerzlich - führt ihn m.E. sein großes Mitleid und evtl. falsche Beratung zu einer Grenzüberschreitung und somit in die Irre! Allzu menschliches Mitleid kann die Sicht auf die wahre Barmherzigkeit Gottes verdunkeln und Grenzen überschreiten, die um der Wahrheit willen beachtet werden müssen!
Das könnte zur großen Tragik dieses Pontifikates werden, wenn es nicht eine Wegkorrektur gibt!

Diese Wegkorrektur erbitte ich sehr herzlich von Gott auf den Wegen, die seine Weisheit kennt, auch um dieses erfrischenden, einfachen, humorvollen und liebenden Papstes willen! Dies sei besonders der Jungfrau von Guadalupe, der Patronin Amerikas anempfohlen!
Liebste Mutter, Du hast das sicher gehört! Danke!